oder: Wie man 2,5 Stunden Lebenszeit gegen 40 Minuten gepflegte Enttäuschung tauscht
Gestern habe ich mich wagemutig ins kulturelle Abenteuer gestürzt und das Ortigas Art Festival 2025 besucht. Es fand – laut Plakaten eine Revolution der Sinne! – im neuen Südflügel der Greenhills Mall statt. Lautstark angekündigt als DAS Kulturevent des Jahres, mit Show- und Tanzeinlagen, Fotografie vom Feinsten, und natürlich einem streng geregelten Dresscode: Business-Casual in Schwarz. Oh ja.

Ich, alter Lifestyle-Privatier, hab also erstmal meinen Kleiderschrank durchwühlt – ein Ort, an dem “Business” ungefähr so präsent ist wie Schneepflüge in Manila. Nach intensiver Grabung und einigen philosophischen Sinnkrisen habe ich dann irgendetwas zusammengestückelt, das vielleicht auf einem sehr dunklen Flur als “halbwegs adäquat” durchgeht.
Dann der übliche Kampf mit dem Straßenverkehr. Stau, Hupen, Abgase – eben alles, was den Weg zu einem Kulturfestival so richtig besinnlich macht. Endlich angekommen, suchte ich dann… das Festival. Keine Schilder, keine Hinweise, nichts. Nur desorientierte Sicherheitskräfte und Empfangsdamen, die erst mal selbst googeln mussten, wo sie da eigentlich arbeiten. Willkommen in der Organisation von Weltformat.

Als ich endlich ankam, war mein erster Gedanke: „Schwarz war wohl optional… sehr optional.“ Denn natürlich trug niemand etwas, das auch nur entfernt nach dem versprochenen Dresscode aussah. Ich hätte auch im Bademantel erscheinen können, es hätte niemand gemerkt – oder vielleicht doch: Ich wäre der einzige gewesen, der sich an den Dresscode gehalten hätte.
Kommen wir zum Herzstück der Veranstaltung: der “sensationellen” Fotoausstellung. Also, ich bin sicher, dass irgendwo hinter den Kulissen 3.000 Fotos existierten. Vielleicht in einem Dropbox-Ordner. Im sichtbaren Teil der Realität bestand die Ausstellung nämlich aus exakt zehn (ja, 10) gerahmten Fotos in der Größe einer übergewichtigen Serviette. Der Rest? Lieblos an Pinnwände geklebte Briefmarkenfotos, wie eine Wand in der Schulcafeteria nach dem Motto: „Jeder darf mal was aufhängen.“

Ich hab dann noch Rommel getroffen – Smalltalk, freundlich gelächelt, innerlich geweint – und bin wieder zurück nach Hause gefahren. Fazit: 2,5 Stunden im Auto für 40 Minuten gepflegter Zeitverschwendung. Aber immerhin in Schwarz!
Ob ich das nochmal mache? Klar, gleich nach meiner Anmeldung für den nächsten Powerpoint-Abend im Seniorenheim. Bis dahin bleibe ich lieber in meiner natürlichen Umgebung: Balkon, Kaffee, Ruhe. Ohne Dresscode.
Für heute…
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