Was soll ich sagen – es passiert einfach nichts ! Unser Leben in Manila ist wirklich ein langer, ruhiger Fluß. Nächste Woche gehen wir in ein Klassik-Konzert, ansonsten ist nichts geplant.
Der Lazer aus Köln war schon ganz besorgt, daß wir nicht viel rausgehen, unsere Wohnung oder unsere Gated Community hier nur sehr selten verlassen. Aber – da muß man sich nicht viel Sorgen machen. Auf der einen Seite ist ja die Herzkrankheit von meinem Mann, nicht extrem schlimm, aber die muß schon berücksichtigt werden, was viel Bewegung in der Hitze hier angeht. Auf der anderen Seite besteht das generelle Problem, daß man hier nur schwer passende Bekannte oder passende Freunde kennenlernen kann: die, die zu unserer Bildungs- und Einkommensklasse passen, also zu dem Lebensstandard, den wir kennen – die sind uns zu „Bling-Bling“. Filipinos, die etwas besitzen, die beruflichen Erfolg und beruflichen Status haben, zeigen das auch sehr gerne in materiellen Dingen und sind dabei auch sehr „laut“.
Money talks, wealth wispers
Wir halten es da eher mit der klassisch-calvinistischen Art der Hanseaten. Man hält sich dezent zurück, zeigt es nicht und redet nicht drüber. Mein Mann immer in seinen einfachen T-Shirts und ich auch immer in den gleichen, einfachen und unauffälligen Polos und jeden Tag in der gleichen Jeans. Diese minimalistischen Klamotten haben bei mir übrigens den Effekt, daß das sooo auffällig ist, daß sich die Leute an mich erinnern. Für mich hat´s einfach den Vorteil, daß ich morgens nicht mehr über Klamotten nachdenke – es sind sowieso immer die Gleichen.
Was die Nachbarn am wenigsten verstehen können, ist die Tatsache, daß wir uns einfach kein Auto kaufen. Die verstehen die Argumentation auch nicht, mit Kosten, Grab (Uber) und Umwelt. Da sind die noch nicht soweit. Der Straßenverkehr mit den ganzen alten Dieselmöhren ist der blanke Umwelthorror. Was ich hier an Dieselfeinstaub jede Woche auf´s Neue von den Fenstern kratze – ist unglaublich. Ich könnte morgen früh spontan beim Porschehändler um die Ecke den neuesten 911er bestellen und mit meinem Blechkärtchen sofort bezahlen – aber… WAS soll ich denn damit !? Die 4-5 Mal, die wir im Monat ein Auto brauchen – nehmen wir ein Grab. Und selbst das versuchen wir aus Ökogründen echt zu vermeiden ! Geht auf´s Karmakonto…
Und dann immer der erstaunte Blick: „Ach – Ihr habt keine Maid ?“ Also die Haushaltsangestellte, die kocht, putzt und bügelt. Die haben hier fast alle eine. Auch so eine alte Tradition hier. Aber für uns Unfug. Solange ich laufen kann und nicht sabbernd in der Ecke sitze, mach ich mein Schietbüdel selbst fertig. Hier kommt keiner rein. So viel gibts nicht zu tun und Graf Koks bin ich auch nicht…
Und beim Essen geht es weiter. Extrem viele „wohlhabende“ Filipinos haben hier den Einkaufswagen voll mit Konvenience-Food, also Oetker und Coke und diesem ganzen Industrieabfall. Das ist natürlich bequem für´s Nicht-Kochen und: es ist TEUER ! Also sehr statusträchtig. Mit denen dann darüber zu reden, daß das Abfall ist und daß man sowas einfach nicht isst – wird nicht verstanden. Selbst kochen – ist tatsächlich was für arme Leute. Au weia…
Also ihr seht – es wird schwierig, es ist immer ein sehr schmaler Grat. Mit den neuen Bekanntschaften. Es muß halt vom Einkommen und vom Job / Bildungsstand passen – aber eben ohne diesen extremen Bling-Faktor. Nicht leicht. Dazu kommt dann natürlich – in unserem Alter sind die Leute alle noch berufstätig und haben nicht die Flexibilität, die wir haben.
Naja – wir lassen uns nicht beirren und machen wie immer „unser Ding“. Wenn jemand kommt, der passt – ist es schön, wenn nicht, dann trinke ich meinen Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande – Réserve (de la Comtesse) aus dem Pauillac eben weiterhin allein mit meinem Mann bei einem schönen Stück Kobe (G10) Beef. Selbst gebraten, versteht sich… so ein Stück Beef vertraut man niemandem an, das macht man selbst 🙂 Danach eine entspannte, gepflegte Corona Doblo von Liga Privada aus Nicaragua.
Ach Mist – von denen hier raucht ja auch keiner… GRMPF
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Tja – da zeigt sich wohl der Unterschied der Kulturen 🤷♀️
😘😎
Ich habe beim Zigarre rauchen in einem “Zigarrenladen” – also so einer kleinen versteckten Raucherlounge u.a. einen filipinischen Fernseh- und TV-Star kennengelernt. Haben uns gut unterhalten, sehen uns immer, wenn ich da auf ein Zigärrchen gehe und verstehen uns gut. Ist ein Netter. Hat auch nicht damit angegeben, daß er im TV ist. Dann war ich zufällig mit einem Nachbarn im Supermarkt und da hing dann ein riesiges Werbeplakat, auf dem mein Rauchkumpel für irgendwas geworben hat. Ich habe den Fehler gemacht und gesagt: “Ei gugge mal da, da is n Kumpel von mir. Netter Typ.” Und dann ging das los… Waaaas – den kennst Du ? Oh mein Gott ! Kannst Du uns bekannt machen… und so weiter. Ganz schrecklich. Seitdem halte ich meine Klappe und kenne keinen mehr 🙂 Und das hat mich auch wieder bestätigt, daß “ein Star” sein zuviele Schattenseiten hat…