Zurück aus der Provinz !
Heute gegen 7 Uhr aus dem Bett, noch nicht ganz wach. Mein Mann ist auf´s Laufband, während ich noch im Halbschlaf durch die Gegend getorkelt bin und mir erstmal aus Faulheit und ohne Lust auf das Espresso-Maschinen-Ritual einen japanischen Instantkaffee gemacht habe. Der hat ein wenig geholfen, mich in´s Leben zurück zu holen.
Gestern am späten Nachmittag sind wir vom Familienbesuch aus der Provinz zurück gekommen. Mutti hat sich sehr gefreut, als wir ankamen, hat geweint vor Freude. Das Wiedersehen war sehr schön und hat wieder mal gezeigt, was im Leben wirklich Wert und Wichtigkeit hat. Geld und materielle Dinge sind es auf jeden Fall nicht. Bruder Toto hat sich auf gefreut, daß wir gekommen sind. Den ganzen Aufenthalt über herrschte immer gute, entspannte Stimmung.
Mutti ist jetzt 88 Jahre alt und wird langsam wirklich vergesslich. Kein Alzheimer, aber sie vergisst Dinge und verwechselt auch Menschen. Aber ich denke, das ist in dem Alter normal. Aber ansonsten sind ihre Gesundheitswerte ok. Sie rollt mittlerweile meistens im Rollstuhl herum, da sie seit dem letzten Sturz nicht mehr so gut laufen kann. Zum Glück haben wir mit Nida eine belastbare Haushaltshilfe für Bruder und Mutti. Nida ist tagsüber da und kümmert sich um Mutti und den Haushalt – Bruder ist den Rest des Tages und abends da. Mittlerweile hat er das ganze Haus mit automatischen Lichtern ausgestattet, die sich bei Dunkelheit immer per Bewegungsmelder einschalten, wenn Mutti nachts durch die Gegend geistert.




















Die kleine Solaranlage, die wir vor Monaten geschickt hatten, funktioniert gut und hilft sehr bei den regelmäßigen Stromausfällen. Die Anlage wurde zwar mal wieder auf „philippinische Art“ montiert – aber sie arbeitet und erfüllt ihren Zweck. Das Haus selbst ist in einem guten Zustand – nur das Dach müsste mal erneuert werden. Der Rest funktioniert – nach philippinischen Parametern 🙂
Was uns nur immer nervt und davon abhält, öfter dort zu sein, ist Toto´s Messietum. Garage, Werkstatt, Abstellraum und Dirty Kitchen sehen aus wie bei beim unordentlichen Altmetallhändler: überall fliegt alter Schrott rum. Es sieht echt schlimm aus. Naja – wir haben unseren Lebensmittelpunkt ja bisher immer noch in Manila. Und solange Mutti noch lebt, geht uns das nichts an. Erst nach ihrem Ableben wird der Familienclan entscheiden, wie es mit Bruder und Haus weitergehen wird…
Vielleicht werden wir jetzt aber öfter dorthin fliegen. Ein Flug kostet unter 50€ pro Person und dauert nur eine Stunde. Mein Mann beschafft gerade eine neue Klimaanlage für unser Schlafzimmer in der Provinz, eine moderne, stromsparende Window-Type-Klimaanlage kostet von Toshiba nur knappe 400€.
Die Lebensqualität in der Provinz ist – wenn man wie wir eher minimalistisch unterwegs ist – sehr hoch. Klare Luft, morgens wird man von Vogelgezwitscher geweckt oder vom Karaoke der Nachbarn. Alles hier in der Provinzhauptstadt ist fußläufig erreichbar und wenn man keine ausgefallenen Sonderwünsche hat, sind auch alle Produkte, die man für´s Leben braucht, sofort erhältlich. Und es gibt 6 Krankenhäuser – eins davon gerade ganz neu gebaut mit modernsten Geräten.
Die Menschen in der Provinz sind extrem respektvoll und freundlich. Trotz allem immer fröhlich und großzügig. Das macht das Zusammenleben hier extrem einfach – halte dich an die Regeln und es geht nie etwas schief. Seit über 20 Jahren habe ich dort nie eine negative Erfahrung machen müssen.
Die umgebende Landschaft und die Stadt selbst sind sehr grün, überall üppige Vegetation, der nächste touristenfreie Strand ist bei uns 1000m hinter dem Haus. Mit Hawili-Beach hinter dem Ort Tangalan gibt es einen traumhaften, kilometerlangen weißen Sandstrand und eine Felsenquelle zum Baden – ohne (…fucking) Touristen. Benzin ist deutlich günstiger als in DE – mit Motorrad oder Jeep kommt man überall hin.
Das Beste sind wirklich das traumhafte Grün der Landschaften, die kooperative Freundlichkeit der Menschen und die gute Luft gepaart mit der Ruhe. Beschränkt man sich auf die wesentlichen Dinge, kann man hier hervorragend leben.
Wir planen jetzt (…gaaaanz langsam…) ein Hausprojekt im tiefsten Dschungel. Mein Mann besitzt ja gigantische Mengen an Land (abertausende von Hektar), die sein Vater ihm hinterlassen hat. An einigen Stellen der Ländereien, die sich über die ganze Provinz verteilen, gibt es auch direkt klare Wasserquellen oder große Flüsse und Seitenarme das Aklan-River. An einer Stelle, die uns gefällt – und die etwas weiter von der nächsten Siedlung entfernt liegt, wollen wir für uns ein Bambushaus bauen. Trinkwasser ist dort vorhanden, an manchen Stellen auch Strom in der Nähe.
Wir wollen uns ein kleines Bambushaus bauen, 70-90qm groß, mit Schlafzimmer, Badezimmer, Abstellkammer, Küche und Wohn- & Essbereich sowie Veranda. Die kompletten Kosten ohne Küchengeräte und Möbel belaufen sich ungefähr auf… 1000 – 1500€. Für ALLES – Material, Handwerker, vollständiger Aufbau. Zudem haben wir eigene Bambusplantagen, sodaß es eher noch günstiger wird, da wir den Bambus nicht kaufen müssen. Dazu kommt in unserem Fall noch eine kleine Solaranlage. Aber die kostet hier auch nicht viel.
Bambus hat den großen Vorteil, daß er superschnell wächst und vor allem nachhaltig ist. Ein fertiges, ordentlich gebautes Bambushaus muß man ca. alle 5 Jahre einer Inspektion unterziehen und defekte oder vergammelte Teile austauschen – aber das ist schnell und einfach und günstig zu machen. Wenn man dazu vor dem Bau den Bambus mit den lokalen natürlichen Ölen und Pflanzensäften imprägniert, hat man auch keinen Ärger mit Termiten oder Feuchtigkeit. Die Bambusröhren halten dann ewig.
Mir würde so ein Häuschen im Grünen, abgeschieden von Menschen, ja sehr zusagen. Aber mein Mann muß sich noch dazu durch ringen, obwohl die Idee von ihm kam. Warten wir mal ab, wie es sich entwickelt…
Für heute… alle Mann ausruhen und entspannen !
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Ich muß dich enttäuschen, wenn ich mir das mit deiner Mutter so durchlese, scheint sie eine beginnende Demenz zu haben.
Was aber in ihrem Alter ganz normal ist und auch nicht tragisch, solange sie in ihrem gewohnten Umfeld bleibt und Menschen um sich hat, die sich um sie kümmern.
Das mit dem Hausbau klingt nach einem spannenden Projekt.
Das wünsche ich euch viel Erfolg dabei.
Liebe Grüße
Trude
Sie hat immer Bruder und eine Krankenschwester um sich und die restliche Verwandschaft wohnt gleich auf der anderen Straßenseite. Da ist für sie immer gut gesorgt. Das mit dem Bambushausbau ist noch Zukunftsmusik… mal sehen, wann wir das wirklich angehen 🙂 Noch wohnt mein Mann gerne in Manila… aber das ändert sich schon noch 🙂